Tarnen und Täuschen auf der Jagd

Tarnen und Täuschen auf der Jagd

Wildtiere verfügen teilweise über erstaunliche Sinnesleistungen, die uns Menschen oftmals deutlich überlegen sind. Wie wir als Jäger die Jagd trotzdem effektiv ausüben können, ohne Angst und Schrecken im Revier zu verbreiten, soll in folgendem Artikel dargestellt werden.

Sinnesleistungen

Bevor wir uns Gedanken über das Tarnen und Täuschen machen, müssen wir etwas über die Fähigkeiten von unseren bejagten Wildarten wissen. 3 wesentliche Sinne spielen hier eine Rolle. Das Sehen, Hören und Riechen. Zusätzlich dazu gibt es oft deutliche Unterschiede zwischen Haar- und Federwild.

Sehsinn

Federwild äugt hervorragend. Nicht umsonst sagt der Jäger, dass die Taube auf jeder Feder ein Auge hat. Dabei spielt nicht nur das Erkennen von Details eine Rolle, sondern vor allem das Wahrnehmen von Bewegungen ist gut ausgeprägt. Daher ist Tarnung oberstes Gebot bei der Flugwildjagd. Nicht nur der Körper, sondern auch die hellen Gesichts- und Handflächen müssen verdeckt werden. Entsprechende Hilfsmittel finden Sie auch bei uns im Jagd1 Shop. Die Farbe Rot sollte bei der Vogeljagd grundsätzlich vermieden werden, da diese für Vögel als Warnfarbe besonders auffällig ist. Bei Gesellschaftsjagden, be denen sich nach der UVV jeder Teilnehmer deutlich von der Umgebung abheben muss, sind für die Jagd auf Federwild Gelbtöne besser geeignet.

Die meisten Haarwildarten nehmen auch mit den Augen ihre Umgebung hervorragend wahr. Ein Stück Rot- oder Damwild kann ohne Probleme die still stehende menschliche Silhouette zwischen Bäumen unterscheiden und, je nach gesammelten Erfahrungen mit den Menschen, das Stück zur Flucht veranlassen. Auch der Fuchs kann sehr detailgetreue Bilder erkennen. Im Vergleich dazu sieht Reh- und Schwarzwild nur ein sehr ungenaues Bild und gerade das Reh ist eher darauf spezialisiert Bewegungen wahrzunehmen. Bei Sauen eröffnet sich dadurch eine spannende Jagdart in Form der Pirsch. Es ist immer wieder faszinierend, wie nahe man Sauen über deckungslosen Gelände angehen kann, solange der Wind stimmt. Allen Haarwildarten gemeinsam ist die Fähigkeit auch nachts sehen zu können. Aufgrund der fehlenden Rezeptoren in den Augen wird von Haarwild Rot nicht erkannt. Blau ist dagegen eine auffällige Signalfarbe.

Vögel, aber auch Hirschartige sind in der Lage UV-Licht wahrzunehmen. Dies birgt die Gefahr, dass wir plötzlich für das Wild zu Leuchten beginnen, wenn wir unsere Jagdkleidung mit handelsüblichen Waschmitteln reinigen. Dafür verantwortlich sind die UV-aktiven Weißmacher, die unsere Wäsche optisch aufhellen und für uns sauberer erscheinen lassen.

Aufmerksame Augen haben den Jäger im Visier

Hörsinn

Eigentlich hören alle Wildarten hervorragend und können Geräusche sehr exakt orten. Dazu kann Wild auch differenziert hören. Dieses Phänomen kennen wir zum Beispiel von Hunden, die den ganzen Tag neben einer stark befahrenen Straße ruhig im Körbchen liegen. Abends wenn sich Frauchen oder Herrchen mit dem Auto dem Haus nähern, springt der Hund schwanzwedelnd zur Tür, weil er das typische Motorengeräusch erkannt hat. Wir können also davon ausgehen, dass das Wild in unserem Revier uns an unserem Motorengeräusch identifizieren kann. Der Fuchs ist ein tolles Beispiel wie gut Wildtiere hören können. Das leise Mäuseln kann er bis zu 150m Entfernung wahrnehmen.

Die beweglichen Ohren bei Haarwild können Geräusche gut orten – auch Vögel hören hervorragend, obwohl sie keine sichtbaren Ohren haben

Geruchssinn

Bei Haarwild ist der Geruchssinn die zentrale Sinnesleistung, die dem Wild die meisten Informationen über die Umgebung liefert. Dabei wird das Riechen nicht nur zur Futtersuche, sondern hauptsächlich zur Feinderkennung genutzt. Haarwild kann den Menschen auf Entfernungen von 400-500m am Geruch erkennen. Selbst wenn wir nicht mehr im Revier anwesend sind, wird das Wild unsere Duftspuren noch lange Zeit durch die hinterlassene Bodenverwundung wahrnehmen können. Ähnliches kennen wir von der Arbeit mit dem Hund bei der Nachsuche, bei der sich der Hund schwerpunktmäßig, oft noch nach Tagen, an der geruchlichen Veränderung der Bodenoberfläche orientiert.

Bei Federwild spielt der Geruchssinn keine Rolle und wir Jäger müssen hier auch explizit nichts beachten.

Wehe wenn jetzt der Wind dreht – der Bock wird uns sofort wahrnehmen und abspringen

Tarnen und Täuschen für uns Jäger

Grundsätzlich ist es das oberstes Gebot, den Jagddruck möglichst gering zu halten. Zur Zielerreichung spielt es auch eine wichtige Rolle, wie unauffällig wir uns im Revier verhalten. Dazu zusammenfassend ein paar hilfreiche Verhaltensregeln:

  • Die richtige Farbwahl der Kleidung ist entscheidend. Je nach Jahreszeit gedeckte Braun- oder Grüntöne. In der Dämmerung kein dunkles Grün oder Blau, da dies für Schalenwild wie eine Signalfarbe wirkt. Bei Schnee leistet auch ein Schneehemd gute Dienste. Mithilfe von Tarnmustern können wir die menschliche Silhouette auflösen.
  • Bei Haarwild keine Angst vor Rot. Unsere Signalkleidung bei der Gesellschaftsjagd wird ähnlich wenig wahrgenommen, wie wenn wir in Grün auf dem Sitz wären.
  • Kleidung sollte möglichst leise sein.
  • Helle Gesichts- und Handflächen sollten auch versteckt werden, da diese hellen Strukturen für Wild besonders auffällig sind.
  • Jagdkleidung sollte nur mit Waschmitteln ohne optische Aufheller gereinigt werden.
  • Bewegungen möglichst fließend und langsam durchführen. Beim Pirschen eher kurze Strecken zurücklegen und dafür mehr still stehen und die Umgebung beobachten.
  • Schuhe sollten ein möglichst leises Abrollen der Fußsohle ermöglichen. Anstatt Schuhe wäre ein Paar dicke Wollsocken die leiseste Möglichkeit sich fortzubewegen.
  • Glitzernde oder stark reflektierende Ausrüstungsgegenstände sind ungeeignet oder sollten entsprechend abgeklebt werden.
  • Metallische Geräusche vermeiden. Wild ist hier besonders empfindlich.
  • Bei der Fuchsjagd nicht zu spät die Waffe in den Anschlag bringen und entsichern, da sowohl die Bewegung, als auch das feine metallische Klicken auf große Distanzen wahrgenommen wird.
  • Die zu benutzenden Wege im Revier sollten gut gewählt werden, da das Wild uns auch dann noch mitbekommt, wenn wir schon lange wieder zu Hause sind.
  • Oftmals bringt ein „normales“ Verhalten als Spaziergänger im Revier weniger Unruhe, als der schleichende Jäger. Wild kann sehr gut zwischen Gut und Böse unterscheiden.
  • Das Wichtigste ist natürlich die Windrichtung zu beachten. Ein kostengünstiges und nützliches Tool sind Seifenblasen. Hier können feinste Windströmungen auch über größere Distanzen zuverlässig angezeigt werden.

Zum Schluß

Wenn wir überwiegend zu guten Zeiten und Wetterlage jagen und konsequent unsere Chancen nutzen, sollte das Wild nur einen möglichst geringen Jagddruck verspüren. Auf Dauer sichert uns das eine effektive Bejagung. Letztendlich ist aber nicht vorhersehbar wie Wild auf uns reagiert. Das hängt oft von der Situation, aber auch vom einzelnen Individuum ab. Ähnlich wie bei uns Menschen gibt es auch mutigere und ängstlichere Tiere, genauso sind sie auch nicht jeden Tag in der gleichen Stimmung. Gerade das macht die Jagd so spannend, weil eben nicht alles berechenbar und vorhersehbar ist.

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