Richtig Blatten – Der Schlüssel zum Rehbock (Teil 3)

Richtig Blatten – Der Schlüssel zum Rehbock (Teil 3)

Im letzten Teil unserer Blattjagdserie wollen wir eine Übersicht über die Auswahl von Lockinstrumenten geben und mit Tonbeispielen die typischen Laute während des Blatten vorstellen.

Unterschiedliche Lockinstrumente

Grundsätzlich gibt es 3 Möglichkeiten die verschiedenen Töne der weiblichen Rehe zu erzeugen. Die traditionelle Variante mit einem Buchenblatt oder mit Lockinstrumenten, bei denen die Töne durch Blasen oder durch Druck auf einen Art Blasebalg entstehen. Letztendlich egal für welches Hilfsmittel wir uns entscheiden, gilt hier ähnliches wie beim Erlernen eines Musikinstruments. Wir müssen üben, üben und nochmals üben. Und das bitte nicht im Wald am Blattstand, sondern schon im Vorfeld zu Hause im stillen Kämmerlein. Der Einsatz des Buchenblatts erfordert sicher am meisten Übung. Daher wollen wir im Folgenden 3 gängige Lockinstrumente vorstellen, die mehr oder minder leicht zu erlernen sind und alle hier auch bei uns im Jagd1 Shop zur Auswahl stehen.

HUBERTUS Fiep-Rehblatter

Der Fiep-Rehblatter ermöglicht uns, den klassischen Fiepton vom weiblichen Reh und Kitz sehr realistisch nachzuahmen. Über die kleine Stellschraube auf der Oberseite können wir die Tonhöhe variieren. Der Sprengfiep und das Angstgeschrei lassen sich aber nicht simulieren, so dass dieses Instrument eher für den Einsteiger geeignet ist.

Klein, aber für den Einstieg ausreichend

BUTTOLO Gummiblatter

Mit dem Gummiblatter können wir neben den normalen Fieptönen und Kitzfiep auch den Sprengfiep erzeugen. Neben dem Vorteil der leichten Bedienbarkeit gibt es jedoch auch kleine Einschränkungen. Zum einen klingen die Töne immer sehr ähnlich und die Ricke lässt nicht immer die gleichen Rufe hören. Zum anderen kann die Lautstärke nur sehr schlecht variiert werden. Insgesamt ist der Blatter sehr laut. Hier hilft es, gerade wenn der Bock schon sehr nahe ist, den Blatter in der Jackentasche zu benutzen. Um die Töne zu erzeugen muss ich auf den Gummiball drücken und habe somit meine Hände nicht frei, um mich zum Schuß vorzubereiten. Trotz allem ist es eine Möglichkeit auf einfache, aber doch effektive Art das Blatten auszuüben.

Leicht zu bedienen und doch effektiv

BUTTOLO Mundblatter

Mit dem Mundblatter haben wir das universellste Instrument zur Verfügung und bietet dem ambitionierten Jäger alle Möglichkeiten der Blattjagd. Alle notwendigen Laute können in verschiedenen Tonhöhen, Lautstärken und Intensitäten gespielt werden. Allerdings bedarf es etwas Übungsaufwand, um sicher, je nach Situation, die entsprechenden Töne wiederzugeben.

Ein Alleskönner – Mit Übung können alle notwendigen Töne erzeugt werden

Die unterschiedlichen Töne

Insgesamt gibt es fünf Töne, die der Blattjäger beherrschen sollte:

  • Normaler Fiepton und Kitzfiep
  • Rickenfiep
  • Sprengfiep
  • Angstgeschrei
  • Schrecken

Die ersten vier Tonarten können wir mit dem Lockinstrument nachahmen. Das Schrecken des Rehwildes kann der Jäger mit etwas Übung aber leicht ohne Hilfsmittel erzeugen.

Normaler Fiepton und der höher klingende Kitzfiep

Diese Laute sind eigentlich gar keine richtigen Laute zur Rehbrunft, sondern können ganzjährig vom Rehwild vernommen werden. Dieser Laut zeigt einem Rehbock letztendlich nur an, dass sich ein weibliches Reh/Kitz in der Nähe befindet. Jüngere Böcke springen aber oft bereits schon auf diese Töne. Gerade zu Brunftbeginn sollten der normale Fiepton und Kitzfiep als Einstieg in unsere Blattarie angewandt werden. Bei guten äusseren Bedingungen kann unser Rehwild diesen Ton ca. 150 m weit wahrnehmen.

Normaler Fiepton

 

Kitzfiep

Rickenfiep

Dieser etwas gequetscht erscheinende Fiepton zeigt dem alleinstehenden Bock, dass eine paarungsbereite Ricke auf der Suche nach einem Liebhaber ist. Der Rickenfiep ist schon deutlich weiter als der normale Fieplaut zu hören.

Rickenfiep

Sprengfiep

Sollte der Bock noch nicht reagieren, können wir mit dem Sprengfiep eine Ricke simulieren, die vom Bock getrieben wird. Dieser Ton ist schon auf 300 – 400 m für das Rehwild zu hören und bringt auch müde Böcke auf die Läufe.

Sprengfiep

Angstgeschrei

Das Angstgeschrei ist eine Möglichkeit dem Auserwählten auf sehr eindringliche Weise klar zu machen, dass es sich lohnt – ja fast schon notwendig ist – zu kommen. Wir geben dem Bock zu verstehen, dass ein fremder Bock nicht nur in seinem Einstand eine Ricke treibt, sondern sie auch massiv bedrängt. Das wird in der Regel kein Platzbock dieser Welt dulden. Aber Vorsicht! Das Angstgeschrei ist ein über 500 m weit hörbarer Laut, der viel Unruhe ins Revier bringt. Daher sollte dieser Ton nur sehr sparsam angewendet werden.

Angstgeschrei

Das Schrecken

Dieser den Jägern als heißeres Bellen bekannte Laut hat eigentlich direkt nichts mit der Brunft zu tun. Aber eventuell brauchen wir das Schrecken, um den ziehenden Bock zum Verhoffen zu bringen. Dies ermöglicht uns dann einen sicheren Schuß anzubringen.

Schrecken

Fehler bei den Tönen

Zwei Hauptfehler werden häufig beim Blatten gemacht. Zum einen sind die Töne oft zu hoch. Wenn hauptsächlich nur weibliche Rehe oder gelegentlich junge Böcke auf unsere Bemühungen reagieren, sollten wir Mut haben, tiefere Töne zu erzeugen. Zum anderen ahmen manche Jäger keine kurzen Fieptöne, sondern eher mauzende Laute nach. Der Lohn dafür ist, dass über uns die Mäusebussarde kreisen, aber sich kein Bock blicken lässt.

Langgezogener Fiepton – klingt eher nach einem Mäusebussard

Die Abfolge der einzelnen Strophen und Serien

Unsere Blattbemühungen sind wie ein Musikstück aufgebaut und in einzelne Serien, die sich zu Strophen zusammenfügen, gegliedert.

Wie bereits schon erwähnt bauen wir mit unseren einzelnen Blattserien einen Spannungsbogen auf. Wir spielen unserem Auserwählten verschiedene Szenarien vor, die nicht nur sein Herz berühren, sondern auch seine Eifersucht ansprechen. Jede Serie besteht aus 4 – 7 Tönen und wird 2 – 3 Mal mit einer dazwischenliegenden Pause von 4 – 5 Minuten wiederholt. Mit Beginn der nächsten Strophe lassen wir uns ca. 5 – 10 Minuten Zeit. Hier ist Kreativität gefragt, auf keinen Fall dürfen wir monoton werden. Wir variieren die Anzahl der Töne pro Serie und auch die Abstände zwischen den Serien und Strophen. Bitte nicht zu schnell hintereinander die Töne erklingen lassen. Wir müssen uns in eine Ricke versetzen, die auch mal Luft holen muß und nicht permanent schreiend durch den Wald rennt. Da sich unser simuliertes Pärchen in Bewegung befindet und wir aber statisch an einem Ort sind, senden wir unsere Rufe in verschiedene Richtungen aus

Erste Strophe: 2 – 3 Serien Fieplaut

Zweite Strophe: 2 – 3 Serien Rickenfiep

Dritte Strophe: 2 – 3 Serien Sprengfiep

Vierte Strophe (nur bedingt anwenden): 1 Serie Angstgeschrei

Zur eigentlichen Blattzeit ab Anfang August können wir auch die 1. Strophe weglassen und gleich mit dem Rickenfiep beginnen. Den Kitzfiep setzen wir nur dann ein, wenn wir vermuten, dass der Bock schon bei einer Ricke steht. Wir hoffen darauf, dass die zustehende Ricke den Bock im Schlepptau mitbringt.

Er zeigt Interesse – ob er auch springen wird?

Zum Abschluß

Wir wünschen allen Jägern eine erfolgreiche und spannende Blattjagdsaison und hoffen, dass sich mit unseren Tipps und Tricks auch der weniger erfahrene Jäger an das Blatten wagt. Unvergessliche Erlebnisse werden der Lohn für diese Bemühungen sein. Keine Angst vor dem einen oder anderen missglückten Ton. Ricken geben auch nicht immer perfekte Töne ab. Übrigens unseren Rehblatter können wir nicht nur in der Blattzeit einsetzen, sondern auch im Herbst/Winter bei der weiblichen Rehwild und Kitz Bejagung. Das ist aber wieder eine eigene Geschichte…

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2 Kommentare

Schelmy
17. Juli 2019

Der dritte Teil ist wirklich super Spannend gewesen, besonder´s da genau erklärt wird wie man richtig blatten soll und anhand der Tonaufzeichnungen kann man sich endlich auch genau Vorstellen welcher laut wie gehört.

Ich freu mich schon auf die Blattjagd und hoffe das mir die Tips den entscheidenden Vorteil bringen werden ;)

Macht gerne mehr von diesen tollen Serien, ich bin schon ganz gespannt auf Euer nächstes Thema

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Jagd1-Team
17. Juli 2019

Hallo Schelmy,
Vielen Dank für dein Feedback. Wir freuen uns sehr darüber. Weitere Artikel sind schon in Planung.. Geplant ist auch ein Blattjagdseminar im kommenden Frühjahr. Falls du noch Ausrüstung für die Blattzeit brauchst, findest du alles in unserem Shop...
Viele Grüße
Das Jagd1-Team

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NaturbuaVale
18. Juli 2019

Teil 3 war gerade wg der praktischen Beispiele mit den Hörproben, sehr gut, da man wenn man für sich übt weiß, wie es klingen sollte.
Freue mich schon auf weitere Artikel.
Der Autor nimmt einen super mit, dass man fast denkt, er würde vor einem stehen und dir alles erklären!

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Jagd1-Team
18. Juli 2019

Hallo NaturbuaVale,
auch vielen Dank für Deine Anmerkungen. Wir versuchen so weiterzumachen...
Viele Grüße
Das Jagd1-Team

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