Das Jagdrevier im Februar – Baujagd, Ansitz und Taubenjagd
11.02.2013 | Jagd1, Jagdjahr & RevierkalenderSchwarzwild, Fuchs sowie wenige Marder- und Taubenarten – wie sehr ist die Palette jagdbaren Wildes mit Beginn des Februars geschrumpft. Und doch freuen wir uns auch auf diesen Monat: Baujagd, der Ansitz auf Überläufer und ein Taubenjagdtag versprechen einen jagdlich abwechslungsreichen Monat „Hornung“.
„Die winterliche Baujagd auf Reineke ist für passionierte Nimrode eine der wichtigsten jagdlichen Aktivitäten im Februar. Zu Recht, denn durch den Zusammenbruch der Niederwildbesätze bietet sich für gemeinschaftliche Jagden auch Hase, Fasan, Huhn und Co. kaum mehr eine Basis. Stattdessen stehen vielerorts doch mehr Füchse auf der Abschussliste des Reviers. Umso mehr muss die Baujagd betrieben werden!“ So begann der Revierkalender im Februar 2004.
Diese Sätze müssten eigentlich im Sinne von Hase und Huhn, Brachvogel und Auerwild gebetsmühlenartig Jahr für Jahr wiederholt werden. Doch was würden Sie, verehrte Leserinnen und Leser, davon halten, wenn die Redaktion des St. Hubertus Ihnen alljährlich den gleichen Text im Februar präsentieren würde? Vermutlich wenig – und doch hätte dieser immer wiederkehrende Abdruck seine Berechtigung!
Das jagdliche Regulativ
Wir werden als Jäger in der Öffentlichkeit auch daran gemessen, wie es uns gelingt, Wild artenreich und den landeskulturellen Gegebenheiten angemessen, zu bewirtschaften, d.h. auch, verschiedene Wildarten zu regulieren. Die Bejagung des Fuchses und die Präsentation unserer jagdlichen Erfolge auf diese Wildart sind gut geeignet, über die Tages- und insbesondere die kleine regionale Presse Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Dass Füchse diverse Krankheitserreger verbreiten – Fuchsbandwurm und potentiell die Tollwut sind besonders „populär“ – ist erstaunlich weit in der Bevölkerung bekannt.
Statt Trophäenkult und „die Jäger erschießen das arme Bambi“ ließen sich über gemeinschaftliche (Bau-)Jagdtage auf Reineke gut in der Presse berichten. Kaum eine Jagd wird von der Masse der Bürger so akzeptiert, wie die Fuchsjagd. Wir nutzen diesen einfachen Zugang in jedem Februar auf zweierlei Weise: Gemeinschaftliche Baujagden bringen uns viele Füchse vor die Flinten. Hierüber berichtet der Obmann für Öffentlichkeit in der regionalen Presse. In diesem Jahr nutzt er dazu noch als thematischen Aufhänger das Porträt eines kernigen Rauhhaarteckels und beschreibt die Jagd aus dessen Sicht. Abgerundet wird der Bericht durch eine kleine (!) Statistik über die Fuchsstrecken der letzten Jahre, verbunden mit dem Hinweis, dass regional die Jäger freiwillig keine Fasanenhennen und Rebhühner mehr bejagen, um deren Population zu stützen.
Die Reaktionen waren wieder sehr gut: Keine bösen Leserbriefe, kein Wort über Mord und Totschlag! Stattdessen hört und liest man von offenen bekundeter Anerkennung für den porträtierten Jagdhund, dessen Ausbildung und die Hundeführer. Es wird in verschiedenen Reaktionen sehr lobend erwähnt, dass der Hundeführer einen Bauhundsender einsetzt – die Leser wehrten auch dies als Ausdruck von Tierliebe und Tierschutz. Ferner kommen interessierte Nachfragen zu den Themen Fuchsbandwurm, Ersatzpflichtigkeit von gerissenem Hausgeflügel durch die Rotröcke, Einlassungen zu beobachteten Füchsen in Städten und Dörfern, Bemerkungen zum Rückgang seltener Bodenbrüter in einem Naturschutzgebiet, das unter übermäßig vielen Füchsen leidet…
Selten ist in der regionalen Presse so unpolemisch über Jagd diskutiert worden! Doch eigentlich ging die Diskussion nur am Rande über die Jagd – die Jagd selbst war längst bejaht. Die Diskussion entbrannte über Füchse in unserer Kulturlandschaft, mit der allgemein akzeptierten Jagd auf der Habenseite! Mit dem Porträt des jagenden Teckels hatte der Obmann einen Weg in die Öffentlichkeit beschritten, der brillant gewählt war.
Revierfahrt im Februar
Die Tour durch das Revier im Februar bringt uns am frühen Vormittag eine freudige Nachricht: Sauen können dank des – wenn auch geringen Schnees – bestätigt und gekreist werden. Die schnell zusammen gerufenen Schützen und Hunde bringen zwei Bachen mit insgesamt elf Frischlingen auf Trapp. Vorsicht ist nun bei der Bejagung geboten: Die beschlagenen Bachen werden gegen Ende des Monats ihren Wurfkessel aufsuchen und frischen. Doch diese Rotte macht uns den Wahlabschuss denkbar einfach: Groß und zottelig sind die beiden Bachen, braugrau noch die starken Frischlinge.
Später liegen drei Frischlinge, ein weiterer wurde beschossen. Der Schütze meldet sich anstandslos, was ihm automatisch die Einladung zur nächsten Jagd garantiert. Mir sind ehrliche Jäger lieber, als solche, die angeblich nie fehlen. Die kurze Kontrollsuche mit einem Schweißhund am Mittag ergibt, dass der Wutz glatt gefehlt worden ist. Dass ist nicht schlimm, das können wir ja alle. Immerhin ist der glatte Fehlschuss der zweitbeste alle Schüsse…
Durch die kleine Vormittagsveranstaltung und die kurze Nachsuche komme ich erst am Nachmittag wieder dazu, die Revierfahrt fortzusetzen. Dabei kommt zunächst ein Bock in Anblick, dessen Bastgehörn schon lauscherhoch ist. Die Rehböcke stehen im Monat Hornung mitten in der Geweihbildung. Wie schwer ist es jetzt für sie, genügend Nährstoffe für die Ausbildung des „Luxusorgans Geweih“ zu finden. Die Bockkitze haben es da besser: Sie haben im Spätherbst ihre kleinen Erstlingsgehörne geschoben, fegen nun und werfen den zierlichen Kopfschmuck kurze Zeit später ab.
Februar – Die Ranzzeit der Füchse
Auf der Rückfahrt läuft bei noch bestem Licht ein Fuchs über den Waldweg. Er scheint mich gar nicht bemerkt zu haben. Kein Wunder, denn die Ranzzeit der Füchse dauert noch an.Nun lässt auch Reineke viel von seiner Vorsicht und Schläue vermissen. Das Bellen der Füchse höre ich abends, wen ich vor die Haustür trete. Dieses Geräusch ist für mich mit Winter und Schnee untrennbar verbunden.
Auch drei Hasen kommen noch in Anblick. Bei Mümmelmanns nimmt die Rammeltätigkeit stark zu. Einerseits toben sie nun in Gruppen über die Felder, andererseits erwarten wir alsbald die ersten Märzhasen, deren Überlebenschance stark wetterabhängig ist. Bekommen wir ein nasskaltes Frühjahr, werden die kleinen Fellknäule wohl leider alle verklammen.
Der Anblick der Hasen ist eine gute Gelegenheit, den Bogen zum Anfang des Beitrages zu schlagen: Wir werden uns nur dauerhaft an Hasen erfreuen können, wenn wir die Füchse in den Griff bekommen. Schon deshalb jagen wir auch in einem Hochwildrevier Füchse! Hier ist schließlich Solidarität gefragt – mit den Feldjägern und ihren Bemühungen, dem Niederwild und geschützte Bodenbrütern eine Überlebenschance in unserer industrialisierten Kulturlandschaft zu geben.
Daheim angekommen, hänge ich die Büchse in den Waffenschrank und lege mir meine Sachen für den kommenden Tag parat. Die Flinte wird aus dem Waffenschrank genommen, Schrotmunition bereitgelegt. Morgen bin ich zur Baujagd eingeladen – und freue mich sehr darauf.
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Foto Nr.2:Roger Ward (flickr)
Foto Nr.3:Michael Gäbler






