Tipps zum Einschiessen von Waffen

Tipps zum Einschiessen von Waffen

Das Einschiessen von Waffen sollte für jeden Jäger kein Problem darstellen und ist auch kein Hexenwerk. In diesem Beitrag wollen wir Ihnen die Vorgehensweise erläutern und Ihnen auch die praktische Umsetzung zu einem erfolgreichen Einschiessen zeigen.

Wann und warum einschiessen?

Es gibt viele Gründe, die das Einschiessen einer Waffe notwendig machen. Nicht nur ein neu montiertes Zielfernrohr, sondern auch der Wechsel der Laborierung oder beispielsweise das Umfallen der Waffe zählen dazu. Aber auch das notwendige Training mit der Waffe zur Schulung der Handhabungssicherheit und Verbesserung der Schießfertigkeit sind wichtiger Bestandteil des jagdlichen Schiessens.

Die Technik

Bevor wir uns Gedanken über das korrekte Einschiessen der Waffe machen, müssen wir uns etwas mit der richtigen Technik befassen. Nur allzu oft sieht man an unseren Schießständen häufig gemachte Fehler, die ein gutes Einschiessen von Waffen fast unmöglich machen.

Fehler 1 – das falsche Abziehen

Das richtige Abziehen ist für ein konstant gutes Schiessergebnis von entscheidender Bedeutung. Um das zu erreichen muss der Finger richtig am Abzugszüngel anliegen. Der beste Punkt ist zwischen Fingerspitze und erstem Fingerglied. Dort hat man das meiste Gefühl und man kann sehr präzise arbeiten. Wenn dann noch der Finger mittig den Abzug berührt, ist ein großer Schritt in Richtung sauberes Abziehen getan. Wichtig ist auch noch ein bewusstes Abziehen zu vermeiden. Am besten ist es den Druck auf den Abzug langsam zu erhöhen und sich vom Schuss überraschen zu lassen. Das richtige Abziehen kann auch zuhause trocken geübt werden.

So liegt der Finger richtig am Abzug

Fehler 2 – Die falsche Fußstellung

Man sollte eine entspannte Sitzposition einnehmen, in der die beiden Arme locker aufgelegt sind. Die Füße sollen bequem, ungefähr Schulterbreit, abgestellt werden, wobei die Fußsohlen den Boden komplett berühren. Ein Verkanten der Füße und das Stehen auf Zehenspitzen bringt unnötige Unruhe in den Anschlag.

Die richtige Fußstellung

Fehler 3 – Falsche Atemtechnik

Oft ist zu beobachten, dass der Schütze vor dem Zielvorgang tief einatmet und dann die Luft anhält. Das Problem dabei ist, dass die komplett mit Luft gefüllte Lunge jeden Herzschlag auf den Körper überträgt, was zu Waffenbewegungen führt. Besser ist es, ruhig ein- und auszuatmen und nach einem tiefen Atemzug circa die Hälfte der Luft aus der Lunge zu lassen und dann die Luft anzuhalten. So können wir 5 – 7 Sekunden ruhig zielen. Falls es nicht zur Schussabgabe kommt, einfach wieder weiteratmen und nach wenigen Atemzügen den Vorgang wiederholen.

Einschiessen auf Fleck oder GEE

Vor dem Einschiessen müssen wir uns entscheiden, ob wir die Waffe auf 100 m Fleck oder GEE einschiessen wollen. Der Sportschütze wird immer auf Fleckschuss seine Optik justieren, da er bei jedem Schuss immer die gleiche Entfernung zum Ziel vorfindet. Für uns Jäger ist es sinnvoller, die Waffe auf GEE einzuschießen, da wir dann im jagdlich üblichen Bereich von 30 m bis ca. 200 m (abhängig von der Laborierung) immer mittig halten können und die Höhenabweichung der Treffpunktlage immer im tödlichen Kammerbereich liegen wird. Auf GEE einschießen bedeutet in der Regel, auf 100 m Entfernung ein Hochschuss von 3 – 4 cm. Der zweite Schnittpunkt der fallenden Flugbahnkurve mit der Visierline wird als GEE in der ballistischen Tabelle auf der Patronenschachtel angegeben. Je rasanter eine Laborierung ist, umso weiter entfernt wird sich dieser Fleckschuss befinden.

Grafische Darstellung des Begriffes GEE

Ausrüstung

Die zum Einschiessen einer Waffe benötigte Ausrüstung ist überschaubar. Neben einem Gehörschutz und ausreichend Munition sollten wir eine Anschussscheibe verwenden und wir brauchen eine möglichst stabile Gewehrauflage. Die Anschussscheibe hilft uns bei der Ermittlung der Treffpunktlage. Die Gewehrauflage lässt uns besser das Zusammenspiel zwischen Waffe, Optik und Laborierung beurteilen, da wir den Faktor Schützenstreuung weitestgehend ausschalten können.

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Vorher Lauf reinigen

Besonders wenn wir eine neue Laborierung testen wollen, empfiehlt es sich, vor dem Einschiessen den Lauf gründlich chemisch zu reinigen. Dabei werden die Geschossrückstände und Pulverreste entfernt. Nach dem Reinigungsvorgang muss das Laufinnere unbedingt eingeölt werden, um ein Rosten zu verhindern. Dieses Öl muss vor dem Einschiessen entfernt werden, damit es zu keinem Ölschuss kommt. Bei einem Ölschuss kann sich die Treffpunktlage unvorhersehbar verändern. Wie man auf dem folgenden Bild erkennen kann, ergeben die ersten Schüsse nach der Reinigung, trotz gutem Durchziehen mit trockenen Filzen, keine gute Gruppe.

3er Gruppe nach der Laufreinigung – Keine Panik dieses Ergebnis ist normal

Das ist aber ganz normal und wird sich nach 3 – 5 Schüssen deutlich verbessern. Bevor wir dann mit dem Einschiessen beginnen ist es ratsam mit einer Laufreinigungsschnur den Lauf noch 1 – 2 mal durchzuziehen, so wie es nach jedem Schiessen zu unserer Gewohnheit werden sollte.

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Fünf heißt das Zauberwort

Jetzt ist endlich alles für das Einschiessen vorbereitet und wir sollen immer Gruppen schießen. Leider lässt sich oft beobachten, dass ein oder zwei Schüsse abgegeben werden und dann wie wild an der Optik gedreht wird. Bei einer solchen Vorgehensweise wird das Einschiessen schnell zum Frusterlebnis. Also immer 3er noch besser 5er Gruppen schiessen. Wer es ganz perfekt machen möchte, lässt nach jedem Schuss den Lauf komplett abkühlen. Was bei einer mehrläufigen Waffe zwingend notwendig ist, kann bei einem Repetierer auch lockerer gehandhabt werden.

Was sagt uns die 5er Gruppe?

Mit Hilfe einer 5er Gruppe können wir nicht nur den Mittelpunkt unseres Streukreises optimal ermitteln, sondern wir erhalten auch eine Aussage über die Präzision der Laborierung aus unserer Waffe. Jeder Lauf stellt für sich ein Individuum dar und der Stahl gerät bei der Schussabgabe unterschiedlich ins Schwingen. So können aus mehreren baugleichen Waffen, trotz Verwendung der gleichen Laborierung und dem Einschiessen unter gleichen Bedingungen, völlig unterschiedliche Streukreise erzielt werden.

Sehr gute 5er Gruppe – Laborierung und Waffe harmonieren perfekt

Mittelpunktermittlung des Streukreises

Sofern wir eine 5er Gruppe geschossen haben, ist das Ermitteln des Mittelpunktes relativ einfach und bedarf keiner komplizierten, geometrischen Berechnungen. Die Vorgehensweise soll anhand der Grafik verdeutlicht werden.

Als erstes zählen wir den dritten Schuss von unten, was den rot marktierten Schuss ergibt. Dann zählen wir den dritten Schuss von rechts, welcher blau eingefärbt wurde. Wir ziehen nun durch beide markierten Schüsse jeweils mittig eine Gerade. Der Schnittpunkt beider Geraden, ergibt den Mittelpunkt der Gruppe. Letztendlich ist es bedeutungslos, ob wir von unten und rechts zählen oder ob wir von oben und links kommen. Wir werden immer das gleiche Ergebnis erreichen.

Gruppenmittelpunkt und nun?

Sobald wir den Mittelpunkt unserer Gruppe bestimmt haben, können wir uns an das Einstellen der Optik machen. Wenn, wie in unserem geschossenem Beispiel von oben, die Gruppe zu weit links und zu tief liegt, müssen wir das Fadenkreuz in Richtung Gruppenmittelpunkt schieben. Deshalb drehen wir nach Links und nach Unten. Bei den meisten Zielfernrohrherstellern bedeutet ein Klick auf 100 m Meter eine Verschiebung von 1 cm. Um die notwendige Zahl von Klicks leicht zu ermitteln, leistet uns unsere Anschussscheibe mit dem Zentimeterraster eine gute Hilfestellung. Wir müssen uns jetzt nur noch an das vorher geschriebene bezüglich der GEE erinnern. Wir drehen also das Absehen nicht Richtung Gruppenmittelpunkt, sondern 3 – 4 cm höher. Bei einer hochwertigen Optik, können wir erwarten, dass die Absehensverstellung präzise arbeitet. Der nächste Kontrollschuss sollte dann wie auf dem folgenden Bild passen.

Kontrollschuss nach dem Einstellen auf GEE

Auf zur Jagd

Mit dieser Vorgehensweise sollte es stressfrei möglich sein, unsere Waffen einzuschiessen und mit einem guten Gefühl zum Jagen zu gehen. Wir wünschen Ihnen ein gutes Gelingen und viel Waidmannsheil.

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