Richtig Blatten – Der Schlüssel zum Rehbock (Teil 2)

Richtig Blatten – Der Schlüssel zum Rehbock (Teil 2)

Im zweiten Teil unserer Serie zum Blatten wollen wir in die Praxis eintauchen und uns die Örtlichkeit, die passende Ausrüstung und den Ablauf der Blattjagd anschauen.

Wo am besten Blatten?

Natürlich macht es einen deutlichen Unterschied, welche Struktur mein bejagtes Revier aufweist. Grundsätzlich ist das Blatten sowohl im Feld, wie auch im Wald möglich. Entscheidend ist eher, dass sich in der Nähe meines gewählten Standortes tatsächlich ein Bock befindet. Daher sollten schon lange vor der Blattzeit die möglichen Einstände von Rehböcken ausgekundschaftet werden. Dies ist relativ einfach anhand von Feg- und Plätzstellen realisierbar. Auch wenn es banal klingt, aber auf das Blatt können keine toten Böcke springen. Wer bereits im Mai und Juni stark in die Rehbockklasse eingreift, wird natürlich im August weniger paarungsbereite Böcke vorfinden. Das Wichtigste ist die Beachtung der Windrichtung. Auch wenn der Bock offensichtlich blind vor Liebe ist, wird gerade der ältere Liebhaber vorsichtiger sein und sich Wind holen.

Im Feld

In der Feldflur dienen Anfang August Maisfelder oft als mögliche Einstände für das Rehwild. Insbesondere dort angelegte Bejagungsschneisen sollten unsere Beachtung finden. Auch tagsüber fühlt sich das Rehwild hier sicher und es lohnt sich einen Versuch zu starten, vor allem dann, wenn im Vorfeld bereits ein oder mehrere Rehböcke beobachtet wurden. Auch Heckenstreifen oder kleine Feldgehölze können attraktive Strukturen darstellen. Insgesamt wird man im Feldrevier mobiler agieren müssen, da sich die Einstände oft verschieben können.

Heckenstreifen entlang eines Maisackers – Wenn hier noch frische Fegstellen sind, lohnt sich auf jedenfall ein Versuch.

Bockjagd

Zur erfolgreichen Ansitzjagd und Pirsch auf Böcke empfiehlt sich geräuscharme Jagdbekleidung in Tarnfarben sowie Locker, Wildkameras, Messer & Taschenlampen. All das uns mehr finden Sie in unserem Online Shop.

Im Wald

Im Wald ist der beste Platz maximal 100-150m vom bekannten Zuhause unseres Auserwählten entfernt. Ähnlich wie bei Drückjagden liebt das Rehwild bei der Blattjagd die Dunkelbrücken. Deshalb darf der Jäger nicht im Hellen sitzen, da der Bock im Normalfall nicht dorthin ziehen wird. Allerdings auch nicht im dichten Bestand Stellung beziehen, um die Chance zu wahren den Bock frühzeitig beim Anwechseln zu entdecken.  Ein Stangenholz oder lichter Altbestand ist dafür sehr gut geeignet.  Bereits vor Beginn der Blattzeit bereitet man sich einen Bodenstand oder Tarnschirm vor, wobei niedrige Drückjagdböcke noch besser geeignet sind. Die Vorteile der besseren Übersicht und einer sichereren Schußabgabe liegen dabei klar auf der Hand. Hohe Ansitzeinrichtungen sind eher ungeeignet, vor allem dann wenn der Bock sich nicht weit entfernt vom Geschehen aufhält. Denn auch der dümmste Bock realisiert, dass die Ricken zur Brunftzeit nicht in den Bäumen sitzen.

Ein Drückjagdbock im lichten Stangenholz – Jetzt fehlt nur noch der richtige Ton, dann könnte es mit dem Bock klappen.

Was brauche ich Alles?

Da wir im Verlauf der Blattjagd eher mobil unterwegs sind, ist eine auf das Minimum reduzierte Ausrüstung vorteilhaft. Gerade im Wald, wo wir oft auf geringe Distanzen den Bock in Anblick bekommen, ist es sinnvoller sofort über das variable Zielfernrohr anzusprechen, als erst lange mit dem Fernglas herumzufuchteln. Wenn wir einen Bodenstand nutzen, bringt ein Zielstock große Vorteile für einen sicheren Schuß. Ein elektronischer Gehörschutz schützt bei der Schußabgabe nicht nur unser Gehör, sondern ermöglicht auch den zustehenden Bock früher akustisch wahrzunehmen. Tarnhandschuhe und Gesichtschleier verdecken unsere hellen Körperstellen und lassen uns in der Umgebung unauffälliger werden. Ausserdem schützen diese Tools uns auch vor lästigen Plagegeistern. Wer ständig mit den Mücken beschäftigt ist, wird unkonzentrierter jagen oder sich durch unnötige Bewegungen verraten. Ein Schutzmittel gegen Mücken kann hier zusätzlich Abhilfe schaffen. Natürlich brauchen wir noch ein Lockinstrument, worauf wir im letzten Teil unserer Serie näher eingehen werden.

Ablauf der Blattjagd

Wenn wir unseren ausgewählten Standort erreicht haben, warten wir 10-15 Minuten in völliger Ruhe ab. Sobald die Warnrufe der Kleinvögel verklungen sind, beginnen wir mit der ersten Strophe. Je nach Situation steigern wir mit jeder Serie die Intensität.  Damit signalisieren wir dem Bock immer mehr, dass ein fremder Artgenosse sein „Unwesen“ in seinem Einstand treibt. Zwischen den einzelnen Serien beobachten wir für 5-10 Minuten aufmerksam die Umgebung. Normalerweise sind wir bei der Jagd darauf bedacht möglichst wenig aufzufallen. Aber beim Blatten ist es manchmal vorteilhaft dem Hausherrn, durch Brechen von Ästen und Rascheln mit Zweigen, realistisch einen treibenden Bock vorzuspielen. Weitere 20 Minuten warten wir ruhig sitzend nach Verklingen unserer letzten Strophe. Wenn sich bis dahin kein Bock zeigt, hat er uns entweder bereits vorzeitig entdeckt, oder er ist aus verschiedensten Gründen nicht in Stimmung. Dann können wir vorsichtig den Rückzug antreten und uns einer neuen Stelle widmen. Zum Schluß noch ein wichtiger Hinweis. Bitte nicht mehrmals oder jeden Tag die gleichen Plätze aufsuchen. Die Böcke werden verblattet und wir kehren erfolglos Heim.

Im letzten Teil unserer Blattjagdserie werden wir uns verschiedene Lockinstrumente, die unterschiedlichen Töne und den Aufbau der einzelnen Serien betrachten.

Magazin-Newsletter

Jetzt für den Magazin-Newsletter registrieren und regelmäßig interessante und spannende Beiträge rund um die Jagd erhalten.

4 Kommentare

NaturbuaVale
9. Juli 2019

Wow, Teil 1 und 2 sind beide super gut geschrieben und sehr hilfreich, vor allem für einen Jungjäger. Ich freue mich schon sehr auf den letzten Teil, hoffentlich kommen bald noch mehr der hilfreichen Tipps!

Antworten

Hinterlassen Sie eine Antwort

Jagd1-Team
10. Juli 2019

Hallo NaturbuaVale,
Vielen Dank für deine positive Bewertung. Wir planen für die Zukunft weitere Artikel zu den verschiedensten Jagdthemen.
Viele Grüße
Das Jagd1-Team

Antworten

Hinterlassen Sie eine Antwort

Schelmy
10. Juli 2019

Ich kann mich NaturbuaVale nur anschließen das die beiden Teile sehr gut geschrieben sind und ich freue mich schon auf den dritten Teil.
Wobei ich mich jetzt noch mehr auf die Blattzeit freue mit diesen hilfreichen und tollen Tipps

Antworten

Hinterlassen Sie eine Antwort

Tine
14. Juli 2019

Für mich als Jungjägerin sehr informativ!
Vielen Dank dafür.

Antworten
Jagd1-Team
15. Juli 2019

Hallo Tine,
Vielen Dank für Deinen Kommentar. Wir planen für die Zukunft noch mehr Wissen aus der Praxis und Infos über Jagdthemen für Jungjäger und alte Hasen bereitzustellen. Reinschauen lohnt sich. Über Anregungen und Wünsche freuen wir uns.
Viele Grüße
Das Jagd1-Team

Antworten

Hinterlassen Sie eine Antwort

Hinterlassen Sie eine Antwort

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Richtig Blatten – Der Schlüssel zum Rehbock (Teil 1)
Vorheriger Artikel
Richtig Blatten – Der Schlüssel zum Rehbock (Teil 1)
Richtig Blatten – Der Schlüssel zum Rehbock (Teil 3)
Nächster Artikel
Richtig Blatten – Der Schlüssel zum Rehbock (Teil 3)