Bleifreie Munition – was steckt hinter den Gerüchten?

Bleifreie Munition – was steckt hinter den Gerüchten?

Das Thema der unterschiedlichen Munition und ob bleihaltig oder bleifrei geschossen wird ist ein immer angesagtes und in der Jägerschaft oft diskutiertes Thema. Aber was steckt wirklich hinter den Gerüchten? Ist bleifreie Munition genau so wirksam wie bleihaltige Munition?

Allgemein besteht eine Patrone aus vier Hauptbestandteilen. Aus der Hülse, dem Zündhütchen, der Treibladung und dem Geschoss. Das Geschoss besteht dabei traditionell aus Blei, Bleilegierungen oder einer Bleibeschichtung.
Eine Schrotpatrone setzt sich aus vier Hauptbestandteilen zusammen. Dem Schrotbecher, der Bodenkappe mit der Zündung, der Treibladung und natürlich den Schrotkugeln. Die Schrotkugeln werden traditionell aus Hartblei gefertigt.

Die Anfänge der bleifreien Munition

Da es in der EU und in den einzelnen Bundesländern in Deutschland keine festen Regelungen für Grenzwerte für die Toxizität von Blei in der Nahrung gibt, wollen die Behörden diese Regelungen durch Verbote von bleihaltiger Munition umgehen. Zudem werden jährlich Studien veröffentlicht in denen darüber berichtet wird, dass bleihaltige Munition sowohl für die Vergiftung von Seeadlern in Deutschland als auch für die Toxizität der Gewässer verantwortlich ist. Hinzu kamen die Verbote der Nutzung von bleihaltiger Munition in der Nähe von Gewässern sowie in zahlreichen Bundes- und Landesforsten. Die bekannten Munitionshersteller wie RWS, Rottweil und Brenneke mussten sich somit umorientieren und bleifreie Munitionen mit in ihr Sortiment aufnehmen.
Sie entwickelten Munitionen aus Zink, Wolfram oder auch Wismut anstelle der toxischen bleihaltigen Munition.

Bleifreie Munition genauso gut wie bleihaltige Munition?

Ob es hieß, dass bleifreie Munition nicht genügend Eindringtiefe besitzt, Hämatombildung und Wildbretentwertung fördere oder eine geringere Stoppwirkung hat. Über keine andere Munitionsart wurde so viel unter Jägerinnen und Jägern diskutiert und sich ausgetauscht wie über die „umweltfreundliche“ Munition.
Durch jahrelange Weiterentwicklung der Laborierung der Geschosse hat man inzwischen bleifreie Munition, die sich in der Wirkung zu bleihaltiger Munition so gut wie nicht unterscheidet. Dank vieler Tests und Forschungsberichte konnten die Geschosse verbessert werden.
Wie auch bei bleihaltiger Munition hat die Schussentfernung von bleifreier Munition Einfluss auf die Eindringtiefe und die Energieabgabe. Somit spielt die Entfernung, egal bei welcher Munition, immer eine grundlegende Rolle bei der Schussausführung. Denn laut dem Abschlussbericht „Ergänzende Untersuchungen zur Tötungswirkung bleifreier Geschosse“ von Carl Gremse und Prof. Dr. Siegfried Rieger muss die Eindringtiefe mindestens 30 cm betragen. Auf den ersten 15 cm sollten mindestens 1.500 Joule abgegeben werden. Erst durch diese Kriterien ist eine Tötungswirkung möglich. Zudem ergaben ihre Untersuchungen, dass die Konstruktion der Geschosse um einiges wichtiger ist, als dessen Material. Sowohl bei bleihaltiger als auch bei bleifreier Munition ist diese Eigenschaft am wichtigsten.

Warum wird so viele negative Kritik über bleifreie Munition geäußert?

Immer wieder kommen neue Ergebnisse ans Licht, dass die so „umweltfreundliche“ Munition gar nicht so frei von negativen Aspekten sein soll. Die Studie zur Metallionenfreisetzung aus Schrotmunition in Gewässern von Prof. Dr. Axel Göttlein bestätigte, dass einige bleifreie Munitionstypen sogar giftiger sein sollen, als bleihaltige Munition. Dabei wirken Schrote aus Kupfer und Zink toxischer. Dies wurde durch die Abgaben von Metallionen ans Wasser bestätigt. Schrote aus Blei, Wolfram und Wismut gaben fast keine Metallione in die Wasserlösung ab, man stellte jedoch eine hohe Konzentration von Metallionen bei Kupfer sowie Zink Schroten fest.
Nun ist die Frage, ob man diese alternativen Materialien für bleifreie Munition nicht noch einmal überdenken sollte.

Fazit

Abschließend lässt sich sagen, dass noch viele Jägerinnen und Jäger mit bleihaltiger Munition schießen. Dies liegt unteranderem an den noch fehlenden Kalibern in einer bleifreien Variante.
In unserem persönlichen Jägerkreisen, steigt die Tendenz jedoch zu bleifreier Munition. Zudem lässt sich aus eigener Erfahrung sagen, dass bisher keinerlei Probleme oder Unterschiede zu bleihaltiger Munition aufgetreten sind.

Wichtig ist es immer die Schussentfernung zu beachten, egal bei welcher Munition!

Ein Tipp für diejenigen, die auf bleifreie Munition umsteigen und sich über die Wirkung nicht sicher sind, ist das Führen eines Schussprotokolles. Dabei ist zu protokollieren welche Wildart erlegt wurde, wie stark das Stück war, auf welche Entfernung geschossen wurde, die Größe des Ausschusses und die dadurch folgenden Pirschzeichen, sowie die Länge des Fluchtweges.

Aus den Protokollen lässt sich dann ein persönliches Fazit ziehen, um beurteilen zu können, ob die bleifreie Munition tatsächlich anders wirkt als die zuvor genutzte bleihaltige Munition.

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2 Kommentare

H.Mischewski
8. April 2019

Mit Bleifreier Munition schlechte Erfahrungen lange Nachsuchen keine Stopwirkung quer ankomende Geschosse.

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Dieter Nagl
13. Mai 2019

1. Sollte bei einem derartigen Artikel STRENG zwischen bleifreiem Schrot und bleifreien Büchsengeschossen unterschieden werden. 2. Führt die Verwendung von Fotos von Büchsen- und Schrotpatronen im selben Artikel zu großer Verwirrung. 3. Aus meiner persönlichen Erfahrung (12 Jahre, 15 verschiedene bleifreie Büchsengeschosse, 550 Stück Schalenwild und Raubwild) ist folgendes festzustellen: Es gibt ausgezeichnete, sehr brauchbare, eingeschränkt brauchbare und völlig unbrauchbare, bleifreie Büchsengeschosse. Nur wer sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt (auch mit dem Thema chemische Reinigung und Einschießen) und auch eine große Anzahl Wildtiere erlegt hat, sollte seinen Senf dazu abgeben. Ich verweise darauf, dass die Wirkung von Jagdbüchsengeschossen auf Wildtiere in freier Natur keine wirkliche wissenschaftliche Evidenz liefern kann, da die Umstände bei jedem Schuß anders sind. Meine Conclusio ist, dass a.) sowohl ECHTE CNC gedrehte Teilzerleger hervorragend funktionieren (MJG, KJG, Jaguar, SSM, Gian Marchet, IBEX, AERO (als Deformator konzipiert) , etc.) wenn nicht hart aufs Blatt sondern etwas hinter das Blatt gehalten wird, b.) gepresste Deformatoren wie Barnes TSX, TTSX, RWS HIT, Federal Trophy Cooper, Hornady GMX, Blaser CDC, etc. ausreichend gut funktionieren, c.) Geschosse die den Bleikern durch andere Materialien ersetzen (RWS Evo Green, Geco Zero, etc.) bei schwachem Wild gerade ausreichend wirken (bei zu starkem Wildbretverlust) aber bei starkem Wild oft kläglich versagen, weil zu wenig Penetration erreicht wird um in die Kammer zu kommen und d.) das ebenfalls CNC gedrehte Impala LS als BÜCHSENGESCHOSS bei mir extrem schlecht abgeschnitten hat (taumelt, überschlägt sich im Wildkörper, schlechte Tötungswirkung). Allerdings verwende ich das Impala KS in meiner KW zur Nachsuche auf Schwarzwild. Da hat es hervorragend funktioniert. Die Penetration ist großartig. Ein letzter Satz zur bleifreien SCHROTMUNITION. Das ist ein Thema an dem ich seit Jahren dran bin und noch keine vernünftige Alternative zu Bleischrot gefunden habe. Sowohl Enten, als auch Gänse, fallen auch bei perfekten Treffern mit Weicheisenschrot nicht vom Himmel sondern streichen weiter, fallen erst nach mehreren hundert Metern runter und verenden irgendwo, Hasen und Fuchs reagieren extrem schlecht auf Weicheisenschrot. Eine teure Alternative ist Wismut, aber das ist keine finanzierbare Möglichkeit für Jäger die viel mit der Flinte jagen.

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