Hege und Jagd im November

Hege und Jagd im November

Aufgrund der Wetterlage wird der November oft als trister und trauriger Monat bezeichnet, in dem wir auch unseren Verstorbenen gedenken. Im Revier gibt es aber doch auch einige Höhepunkte bei der Hege und Jagd. Wir laden Sie ein mit uns gemeinsam die jagdlichen Farbtupfer draussen im Revier zu erleben.

Der große Tag

Seit Wochen, ja fast schon Monaten sind wir mit der Vorbereitung unserer jährlichen Drückjagd beschäftigt. Wer schon einmal als Jagdleiter eine große Gesellschaftsjagd organisiert hat, kennt nicht nur die Mühen, sondern auch die große Verantwortung, die damit verbunden sind. Aber nach einigen durchwachten Nächten ist es nun endlich soweit und unsere Jagdfreunde haben sich am Treffpunkt versammelt. Wir spüren die besondere Stimmung der Gesellschaftsjagd, den Mix aus leichter Anspannung, Vorfreude und lockerem Zusammensein. Da und dort macht gerade der neueste Jägerwitz die Runde, das letzte Jagderlebnis wird berichtet oder die Vorzüge des neuen Hundes werden gelobt. Der Eine oder Andere zeigt, dass er nicht nur in der Schule das große Latinum absolvierte, sondern auch das Jägerlatein in Perfektion beherrscht.

Am Sammelplatz – Ein Mix aus Vorfreude und Spannung macht sich breit

Es geht los

Nach der notwendigen Ansprache und Freigabe des Wildes wurden die Gruppen eingeteilt und wir sehen die Rücklichter der Fahrzeuge langsam im Dunkel des Waldes verschwinden. Ein kurzer Moment der Ruhe stellt sich ein. Gedanklich sind wir aber schon in der Zukunft und überlegen uns, wie es wohl laufen wird. Das Wetter passt. Nachts gab es leichten Bodenfrost und die Sonne erstrahlt über dem nahezu windstillen Tag. Vorgestern konnten wir noch die starke Rotte fährten, die sich im Zentrum des Treibens ihren Einstand suchte. Ob sie wohl heute auch da sind? Mit diesen Gedanken bereiten wir uns für die anstehende Jagd vor. Wir werden als Treiber mit unserem Hund durchgehen und unseren Gästen hoffentlich das eine oder andere Stück Wild schussgerecht präsentieren können. Dies bietet uns auch die Gelegenheit, im Revier in Ecken und die Tiefen der Einstände vorzudringen, die wir sonst im Laufe des Jahres meiden. Viele neue Erkenntnisse über die Verteilung des Wildes in unserem Revier konnten wir so schon gewinnen.

Eine gute Ausrüstung ist wichtig

Wir sind ausgerüstet mit unserer Sauenschutzkleidung, die uns nicht nur vor Angriffen der wehrhaften Sauen schützt, sondern uns auch vor den Dornen des Schwarzdorns und der Brombeeren bewahrt. Die Hundeführerkappe macht uns weithin sichtbar und schützt uns vor Verletzungen am Kopf. Dazu führen wir unser langes Messer, um im Ernstfall krankes Wild abfangen zu können. Der Repetierer mit dem kurzen Lauf komplettiert unsere Ausrüstung. Unser Hund macht sich bereits leise fiepend in seiner Hundebox im Auto bemerkbar. Er bekommt von uns als nächstes seine Schutzweste und die Warnhalsung angelegt. Um die Jagd besser verfolgen zu können nutzen wir einen Tracker. Wir merken die Anspannung des Hundes während er uns vorsichtig über unsere Hand leckt. Beruhigend streicheln wir über seinen Kopf und flüstern ihm ins Ohr, dass es ja bald losgeht.

Gerüstet für die Drückjagd

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Hunde los…

9.30 Uhr. Wir stehen am Rand der ersten Dickung und schnallen unser Hundl, der sofort in die dichte Brombeer- Graswand eindringt und wir hören noch wie sich das Hecheln langsam entfernt. Kurze Zeit später stimmt der Hund ein Kriegsgeheul an und mit sich überschlagender Stimme verfolgt er mit Sichtlaut ein uns unbekanntes Stück Wild. Schnell wird der Laut ruhiger und geht in den gleichmäßigen Spurlaut über. Wir vermuten, dass der Hund an einer Sau arbeitet und da es nicht so recht vorangehen möchte, kämpfen wir uns durch das Dickicht in Richtung der Stimme unseres Hundes, um im Hilfestellung zu geben. Kurz bevor wir den Ort des Geschehens erreichen, vernehmen wir eine zweite giftige Hundestimme und wir hören die Sau vor uns wegbrechen und wie die beiden Hunde diese verfolgen.

Gleich geht es los…

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Die ersten Erfolge stellen sich ein…

Nach einer gefühlten Ewigkeit in der wir lauschend die Jagd verfolgen, fällt ein Schuss, woraufhin kurz darauf die Hunde verstummen. Ein gutes Zeichen. Das könnte mit einem tödlichen Treffer geklappt haben. Wir ziehen laut rufend weiter und nach kurzer Zeit hören wir es hinter uns laut hecheln. Unser Hund kehrt zurück und bringt seine neue Freundin, eine deutsche Brackendame, gleich mit. Auch nicht verkehrt. In diesem dichten Verhau sind zwei Hunde sogar noch besser. Wie unser Hund kurz zu uns kommt und uns mit seiner feuchten Nase anstupst, nehmen wir intensiven Sauengeruch war. Sieht alles danach aus, dass er tatsächlich am toten Stück war. So geht es die nächsten zwei Stunden weiter und immer wieder hören wir die Hunde jagen, machen das eine oder andere Stück hoch und es fallen vereinzelt Schüsse. Wie schön ist doch die Zeit der Gesellschaftsjagd.

Nach der Jagd

Zum Ende der Jagd kommen wir verschwitzt, aber zufrieden am Sammelplatz an. Kurz zuvor kam auch der Hund zu uns zurück, immer noch im Schlepptau mit seiner Brackenbekanntschaft. Wir nehmen beide in unsere Obhut und rubbeln sie erstmal schön trocken und geben ihnen aus dem Napf etwas zu trinken. Den Hundeführer unseres Findlings verständigen wir per Handy, dass sein Hund bei uns in Sicherheit ist und wir können durch das Telefon förmlich die Erleichterung spüren, die wohl jeder Hundführer kennt, wenn sein Hund nach der Jagd gesund zurückkehrt. Nach und nach kehren die Schützen zurück. Jeder hat irgendwelche Erlebnisse zu berichten und am zentralen Aufbrechplatz wird mit dem Versorgen des Wildes begonnen.

Das richtige Aufbrechen leistet einen bedeutenden Beitrag zur Wildbretqualität

Zum Erhalt der Lebensmittelqualität haben wir hier auch als Jagdleiter vorgesorgt und stellen Wasser zum Ausspülen und Einmalhandschuhe zur Verfügung. Unseren Nachsuchenprofi weisen wir auf einen unsicheren Anschuss ein und tatsächlich konnte im Lauf des Nachmittags nach längerer Suche das beschossene Stück von seinen Leiden erlöst werden. Wir bitten noch die Hundeführer uns die Daten ihrer Hundetracker zur Verfügung zu stellen. So konnten wir in den letzten Jahren viele Informationen über das Verhalten des Wildes bei der Drückjagd gewinnen und die Planung der Schützenstände optimieren.

Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende

Insgesamt sind wir mit der Strecke zufrieden und in lockerer Atmosphäre gibt es am großen Lagerfeuer an der Jagdhütte für alle Beteiligten eine wohlverdiente Käse-Lauch Suppe als Stärkung. Abends fallen wir erschöpft, aber glücklich ins Bett und durchleben nochmal im Geist die Emotionen der Jagd. Vor allem sind wir zufrieden, dass alle Teilnehmer und die Hunde gesund und munter wieder in den heimatlichen Hafen zurückkehren konnten.

Batman im Revier

Ein paar Tage später sind wir mit einem Fledermausexperten in unserem Revier unterwegs. Vor ein paar Jahren bauten wir in Zusammenarbeit mit unserer Gemeinde und der Naturschutzbehörde einen alten Munitionsbunker in ein Fledermauswinterquartier um. Heute ist es wieder soweit, um die jährliche Kontrolle durchzuführen.

Eingang zu einem künstlich geschaffenen Fledermauswinterquartier

Mit Stirnlampen bewaffnet schlüpfen wir durch die enge Eingangsöhre und eine feuchte, kühle Unterwelt erwartet uns. Im Schein unserer Lampen sehen wir unseren Atem und wir hören leise die Wassertropfen von der Decke fallen. In den aufgemauerten Wänden gibt es viele Schlitze und Ritzen, in denen die kleinen Flattermänner ihren mehrmonatigen Winterschlaf verbringen. Neben einem großen Mausohr konnten wir mehrere Langohrfledermäuse finden. Ein voller Erfolg und ein guter Beitrag zum Artenschutz.

Langohrfledermaus im Winterschlaf

Noch mehr Naturschutz

Nach dem Begang des Winterquartiers besprechen wir noch die geplante Pflegeaktion der Halbtrockenrasenflächen im Revier. Im Sommer durch das bunte Blumenmeer, das Gaukeln der Schmetterlinge und das Summen der Insekten geprägt, erscheinen aktuell die Flächen, dem Monat November angepasst, trostlos und wie ausgestorben. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt die Flächen zu mähen und das Mähgut zu entfernen, wie es über Jahrhunderte die Landwirte praktizierten. Dies ist eine wichtige Maßnahme, um den Fortbestand der Artenvielfalt zu sichern. Einzelne Streifen werden wir stehen lassen, dass dort im Altgras überwinternde Insektenlarven überleben können. Der Erhalt dieser Flächen bringt nicht nur unserem Wild etwas, sondern ist auch aus naturschutzfachlicher Sicht ein wichtiger Beitrag.


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