Hege und Jagd im April

Hege und Jagd im April

Obwohl in wenigen Bundesländern bereits im April die Jagdzeit auf Rehböcke und Schmalrehe beginnt, gilt für die meisten Jäger in Deutschland noch weitestgehend Hahn in Ruh. Trotzdem gibt es auch im April Vieles in einem Jagdrevier zu erledigen und vorzubereiten. Begleiten Sie uns auf einer kleinen Runde ins frühlingshafte Revier.

Meister Grimbart gibt uns die Ehre…

Endlich wird es wieder wärmer und die Tage werden spürbar länger. Überall lässt sich morgens ein Vogelkonzert hören, bei dem unsere gefiederten Freunde mit ihrem Minnesang um die Gunst der Weibchen wetteifern. Da hält uns nichts mehr im Haus und fast schon magisch zieht es uns ins Revier, um die aus dem Winterschlaf erwachende Natur mit allen Sinnen zu erleben. Frühmorgens beginnen wir schon zu Sonnenaufgang unseren Pirschgang, noch warm eingekuschelt in unsere dicke Jacke, weil der Ostwind noch empfindlich kalt ist. Am Waldrand beobachten wir durch unser Fernglas einen Dachs, der laut schnaufend und schmatzend Richtung Holz zieht. Dort liegt seit Generationen die große Dachsburg, die sich sicherlich über mehrere Etagen in der Tiefe erstreckt. Die Jungdachse sind schon seit einiger Zeit im Bau und haben bereits großen Hunger.

Der Dachs ist der Größte bei uns heimische Marder

Hauptziel sind heute die Salzlecken

Der Rucksack drückt schwer auf unseren Schultern, da er prall mit Salzbrocken gefüllt ist. Im letzten Herbst haben wir alle Salzsteine entfernt, um den Verbissdruck von der Waldverjüngung zu nehmen. Mit der beginnenden Vegetationsperiode können wir die Lecken wieder bestücken, um den Ricken noch etwas Gutes für Ihre ungeborenen Kitze zu tun. Da können wir auch gleich die in der Nähe befindlichen Hochsitze kontrollieren. Diese wichtige Aufgabe ist eine jährliche Verpflichtung, um die Betriebssicherheit der jagdlichen Einrichtungen nachzuweisen. Idealerweise legen wir uns einen kleinen Ordner an, in dem wir die Kontrollen dokumentieren.

Bunte Farbtupfer entlang unseres Weges

Inzwischen ist die Sonne höher gestiegen und die warme Luft macht sich bemerkbar. Am südseitigen Waldrand zeigen sich die ersten Frühjahrsblüher. Zum Beispiel finden wir das gefleckte Lungenkraut, welches schon immer als wertvolle Heilpflanze gegen Lungenleiden galt. Eine Besonderheit ist neben den weißgefleckten Blättern, die Veränderung der Blütenfarbe mit zunehmendem Alter. Zuerst erscheint die junge Blüte rötlich und wechselt dann über Rosa zu Blau. Dieses Schauspiel entsteht durch PH-Wert Änderungen in der Pflanze, auf die ein bestimmter Farbstoff mit Farbwechsel reagiert. Daneben erstrahlen die ersten gelben Blüten der Schlüsselblume.

Ein häufiger Sänger erzählt uns vom Frühling

Uns zieht es aber weiter und wir verlassen den windgeschützten Waldrand und gehen die Rückegasse entlang Richtung Quellgrund. Dabei lauschen wir dem typischen Gesang des Zilpzalp, der unermüdlich nach der Rückkehr aus dem Winterquartier seinen eigenen Namen ruft. Das Pling Pling seines Rufes erinnert auch etwas an das Klimpern von Geldmünzen. Deshalb wurde der Zilpzalp früher regional auch als Judenvogel bezeichnet.

Der Zilpzalp singt seinen eigenen Namen und ist bei uns ein typischer Frühlingsbote.

Endlich…

Plötzlich stockt unser Schritt und ein Lächeln huscht uns über das Gesicht. Leise murmeln wir „Da ist sie ja endlich!“. Wir haben die erste Fegstelle entdeckt, die uns die heimliche Anwesenheit des Rehbocks verrät. Hier werden wir in den nächsten Tagen noch eine Wildkamera aufhängen, um den Hausherrn für uns sichtbar zu machen.

Jedes Jahr wieder auf´s Neue erwartet – Die erste Fegstelle

Den Frühlingswald mit allen Sinnen erleben

Am kleinen Bachlauf angekommen, umgarnt uns ein intensiver Knoblauchgeruch. Tatsächlich sind die Blätter des Bärlauchs in großer Stückzahl am feuchten Boden zu finden. Hier werden wir ein paar mitnehmen, um diese Pflanze mit Ihrem typischen Geschmack in der heimischen Küche zu genießen. Aber Achtung, bitte nicht mit den ähnlichen Blättern des giftigen Maiglöckchens verwechseln, welche auch schon aus dem Boden spitzen können.

Der Bärlauch ist eine in der Küche vielseitig einsetzbare Pflanze – Aber Achtung nicht mit dem giftigen Maiglöckchen verwechseln

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Was wäre der Jäger ohne den Landwirt?

Auf dem Rückweg treffen wir unseren guten Freund, der noch als Einer der Letzten als Vollerwerbslandwirt bei uns im Dorf tätig ist. Er ist gerade dabei eine unserer Wildäsungsflächen für die Aussaat vorzubereiten. Wir besprechen noch die letzten Details  und freuen uns auf die knapp 5 ha Äsungsfläche, die wir über das Revier verteilt neu dazu bekommen. Was wären wir ohne unsere Partner die Landwirte, die uns nicht nur mögliche Flächen bereitstellen, sondern auch mit ihren Maschinen, ihrem Know How und ihrer Arbeitskraft tatkräftig zur Seite stehen. Wir nehmen uns vor, ihm als kleines Dankeschön vom ersten Maibock eine Keule zu überlassen.

Die Landwirte sind wichtige Verbündete für uns im Revier.

Unsere Waffe erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Ein paar Tage später holen wir unseren Repetierer aus dem Waffenschrank, der in den letzten Wochen etwas zu kurz gekommen ist. Wir wollen an den Schießstand fahren und die neue Laborierung testen. Für eine tierschutzgerechte Jagd müssen wir Vertrauen in unser Handwerkszeug haben und das bekommen wir nur durch regelmäßiges Training auf der Schießbahn. Am Stand angekommen bereiten wir uns sorgfältig vor und fixieren die Waffe möglichst gut, um den Faktor Schützenstreuung weitesgehend auszuschalten. Wir schießen auch nicht auf die normale Ringscheibe, sondern wir nutzen eine spezielle Anschußscheibe. Mit größtmöglicher Ruhe schießen wir eine Fünfergruppe. Somit erkennen wir ob die Laborierung zur Waffe passt, können die genaue Treffpunktlage ermitteln und die Optik präzise einstellen. Nach einigen weiteren Schüssen fahren wir zufrieden mit der Gewissheit heim, dass der erste Bockansitz kommen kann.

Die Präzision der neuen Laborierung passt schonmal – Jetzt noch richtig am Zielfernrohr drehen und dann kann die Bockjagd mit ruhigem Gewissen kommen.

Unser Rezeptvorschlag zum Thema

Spargel mit Bärlauch-Hollandaise und Wildschweinschinken

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Kleine Abwandlung der klassischen Zubereitung mit großem Effekt

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