Erntejagd – Effektiv und Sicher

Erntejagd – Effektiv und Sicher

Mit Beginn der Raps- bis hin zur Maisernte werden vielerorts wieder Erntejagden durchgeführt. Diese Form der Jagd kann sehr effektiv sein, aber bringt auch große Gefahren mit sich. Im folgenden Beitrag wollen wir Ihnen ein paar Denkanstöße geben, damit Ihre Erntejagd nicht nur erfolgreich, sondern auch sicher ablaufen wird.

Erntejagden bieten gute Möglichkeiten

In den Sommermonaten verschwinden die Sauen oft in unübersichtlichen Raps- und Maisschlägen, in denen eine gezielte Bejagung nur schwer möglich ist. Zu allem Übel können die schwarzen Gesellen noch große Wildschäden verursachen, die nicht nur für den Landwirt, sondern auch für uns Jäger ein großes Problem sein können. Was liegt da näher, als zum Zeitpunkt der Ernte die Chancenverhältnisse umzudrehen und mit einer Erntejagd die Gunst der Stunde zu nutzen. Zumal wir Jäger dann auch für den Landwirt sichtbar in Aktion treten und nicht wie sonst alleine bei dunkler Nacht den Sauen nachstellen. Diese psychologischen Effekte nach dem Motto „Der Jäger tut ja was“ dürfen nicht unterschätzt werden und können das Verhältnis zwischen Jäger und Landwirt positiv beeinflussen.

Sauen im Mais kann große Schäden mit sich bringen…

Allerdings häufen sich in dieser Zeit die Meldungen, dass es zu Unfällen kommt, bei denen neben Sachschäden, auch immer wieder Personenschäden zu beklagen sind. Eine Erntejagd stellt eine besondere Situation im Revier dar, die sich von den sonstigen alltäglichen, jagdlichen Abläufen deutlich unterscheidet. Verantwortlich dafür ist, dass wir oft nur kurze Planungszeiträume haben, durch die Erntemaschinen während der Jagd viel Bewegung stattfindet und wir Jäger innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen treffen müssen.

Kommunikation ist das A und O

Für einen gefahrlosen und erfolgreichen Ablauf ist daher eine gute Kommunikation zwischen Landwirt und Jäger unbedingt nötig. Ein entscheidender Fehler, der oft zu beobachten ist, ist die spontane Entscheidung eine Erntejagd durchzuführen. Der Landwirt ruft an, dass gerader der Häcksler seine Arbeit aufgenommen hat und der Revierinhaber will guten Willen zeigen und trommelt auf die Schnelle wahllos ein paar Schützen zusammen. Wenn dann jeder noch nach eigenem Gutdünken kommen und gehen und sich selber seinen Standplatz suchen darf, ist das Chaos vorprogrammiert und das Gefahrenpotential steigt ins Unermessliche. Bei der Organisation einer standardmäßigen Drück- oder Treibjagd würde kein Jäger auf die Idee kommen, so unkoordiniert zu handeln. Daher ist es ganz wichtig, dass wir als Revierinhaber möglichst frühzeitig von den Ernteplänen der Landwirte informiert werden. Aber auch während der Jagd ist eine gute Abstimmung nötig. Nach Möglichkeit wissen die Landwirte und Jäger zu jeder Zeit immer genau, was die Anderen jetzt gerade vorhaben.

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Disziplin ist alles

Da es sich oft von der Teilnehmerzahl her um eine Gesellschaftsjagd handelt ist zwingend ein Jagdleiter zu bestimmen, der vor, während und nach der Jagd für die Abläufe verantwortlich ist. Grundsätzlich ist zur Teilnehmerzahl zu sagen, dass weniger oft mehr ist. Lieber nur eine Handvoll disziplinierte, geübte Schützen vor Ort, als eine Heerschar von schußgeilen Jägern, die nur darauf aus sind, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und einen Rachefeldzug gegen die wilden Schweine zu starten. Was jetzt überspitzt klingt ist leider immer wieder in Ansätzen in der Praxis zu beobachten. Streng genommen ist ein Jungjäger, der vielleicht noch auf einer seiner ersten Jagden ist, für Erntejagden als Schütze weniger geeignet. Bei dieser speziellen Jagdform gelangen immer wieder auch alte Hasen und Profis an ihre Grenzen, können aber durch ihre Erfahrung Situationen deutlich besser einschätzen.

Jetzt ist ruhig Blut und überlegtes Handeln gefordert.

Sicherheit ist oberstes Gebot

Keine Sau dieser Welt ist es wert, dass ein leichtfertiger Schuss abgegeben wird. Auch dann nicht, wenn einen die Sorgen mit den Wildschäden plagen oder man etwas gegen die drohende Gefahr der ASP machen will. Deshalb: Niemals parallel zum Boden schießen, sondern immer am besten von erhöhter Position aus, um einen besseren Schusswinkel zu erreichen. Bewährt haben sich die üblichen Drückjagdpodeste. Weite Schüsse sind ebenso fehl am Platz, da sich dadurch das Unfallrisiko dramatisch erhöht. Oberstes Gebot muss der Kugelfang sein. Am besten weist zu Beginn der Jagd der Jagdleiter jeden Schützen in seinen Stand ein und definiert die möglichen Schusskorridore. Das natürlich während der Jagd auf keinen Fall dieser zugewiesene Stand verlassen werden darf ist selbstverständlich. Auch nach den Vorschriften der UVV darf nicht in das Maisfeld geschossen werden, auch wenn die Situation für den stehenden Überläufer in der ersten Maisreihe noch so verlockend sein sollte. Alle Teilnehmer an der Jagd müssen sich deutlich von der Umgebung abheben. Ein Hutband ist dabei definitiv nicht ausreichend. Eine Warnweste ist das Minimum. Auch eine signalfarbige Kopfbedeckung sollte selbstverständlich sein.

Erntejagd im Feld
Gut ist bei dem Bild die ausreichende Warnkleidung. Wenn der Schütze jetzt noch erhöht stehen würde, wäre es perfekt.

Ebenso gilt bei einer Erntejagd, dass das Durchziehen durch die Schützen- und Treiberkette nicht erlaubt ist. Auch wenn in diesem Fall die Treiber die landwirtschaftlichen Fahrzeuge sind.

Was nehme ich mit zur Erntejagd?

Neben den benötigten Dokumenten Personalausweis, gültiger Jagdschein und Waffenbesitzkarte, brauchen wir natürlich eine Waffe mit passender Optik. Ob es ein Repetierer oder ein Halbautomat sein soll, ist jedem Schützen selbst überlassen. Die beste Waffe ist die, mit der der Jäger im Vorfeld ausreichend trainiert hat und auch die Handhabung wie im Schlaf funktioniert. Bitte beim Halbautomaten auch an die jagdrechtlichen Vorschriften denken, dass bei der Jagdausübung maximal 2 Patronen im Magazin geladen sein dürfen.  Ähnlich wie bei einer „normalen“ Drückjagd ist ein besonderes Augenmerk auf die Optik zu legen. Am besten ist ein variables Glas mit einem Vergrößerungsbereich von 1-6 fach. Durch die kleinen Vergrößerungen erhalten wir ein großes Sehfeld, welches Vorteile beim schnellen Ansprechen und Beschießen der bewegten Ziele bringt.

Eine Drückjagdoptik bringt beim Schuß auf bewegte Ziele Vorteile

Ein aktiver Gehörschutz sollte inzwischen zur Standardausrüstung des Jägers gehören. Da es manchmal bei so einer Erntejagd auch etwas länger dauern kann und wir im freien Feld dem Wetter oft ungeschützt ausgesetzt sind, ist zweckmäßige Kleidung besonders wichtig. Dazu muss sich jeder Schütze deutlich von der Umgebung abheben. Bei uns im Jagd1 Shop finden Sie zur passenden Kleidung eine breite Angebotspalette. Es kann auch nichts schaden etwas zum Trinken und eine Tafel Schokolade dabei zu haben. Das hilft die Konzentration über den langen Zeitraum aufrecht zu halten. Das Alkohol tabu ist sollte selbstverständlich sein. Das Handy ist auch ein wichtiges Tool, welches bei der Erntejagd nicht fehlen sollte. Ermöglicht es doch die Kommunikation zwischen dem Jagdleiter und den Mitjägern. Aber bitte nicht ständig am Handy spielen. Die Chancen bei so einer Erntejagd sind oft nur von kurzer Dauer und da muss man permanent aufmerksam sein.

Der Jagdleiter

Nicht nur eine wichtige Funktion, sondern auch eine verantwortungsvolle Aufgabe hat der Jagdleiter. Wie bei jeder anderen Gesellschaft muss der Jagdleiter zu Beginn die Jagdscheine kontrollieren, entsprechende Sicherheitshinweise geben und die Stände zuweisen. Bei der Freigabe wäre es sinnvoll sich auf das Schwarzwild zu beschränken. Auch wenn immer wieder beispielsweise Füchse die Erntefläche verlassen, sollte die abgegebene Schußzahl möglichst gering gehalten werden. Dies kann einen zusätzlichen Beitrag zur Sicherheit leisten. Ausserdem hat der Jagdleiter dafür zu sorgen, dass ausreichend brauchbare Hunde für eventuell anfallende Nachsuchen vor Ort sind.

Drückjagd
Klar definierte Ansagen mit kleinen Gruppen bringen einen Mehrgewinn an Sicherheit.

Standauswahl

Bei der Standauswahl sind größere Abstände zu bevorzugen und klar definierte Schußbereiche sollten deutlich kommuniziert werden. Die Schützen sollten auch nicht direkt am Mais stehen, da den flüchtenden Sauen hinter geschossen werden muss. Das ist aus Gründen des Tierschutzes und der Wildbrethygiene zu vermeiden. Besser ist ein Abstand zum Mais, was dem Jäger viele Vorteile bringt. Deshalb sollte idealerweise zu Beginn der Ernte die aussen liegenden ein bis zwei Reihen geerntet werden. Wenn Waldflächen in der Nähe der Erntefläche sind, wäre es überlegenswert, den einen oder anderen Schützen auch im Wald an den bekannten Wechseln zu positionieren. Für den Schützen erleichtert das die Bejagung der anwechselnden Sauen. Meistens kann er auf die breit laufende Sau schießen und die Sauen nehmen oft mit Erreichen des Waldrandes etwas vom Tempo raus.

Idealerweise stehen hier auch Schützen im Wald an den Hauptwechseln

Auf in die Praxis

Wir hoffen wir konnten Ihnen einen kleinen Überlick über die Möglichkeiten, aber auch Gefahren von Erntejagden geben. Wir wünschen Ihnen und Ihren Mitjägern viel Waidmannsheil, vor allem aber unfallfreie Erntejagden in der bevorstehenden Saison.

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