Parasitäre Erkrankungen beim Rehwild

Parasitäre Erkrankungen beim Rehwild

 

Neben den sogenannten „unbelebten“ Krankheitsursachen beim Wild wie z.B. Schussverletzungen, Autounfälle, Vergiftungen und Fütterungsprobleme, sind es die „belebten“ Ursachen, die für viele Krankheiten verantwortlich sind. Dies sind in erster Linie Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten. Parasiten, die man auch auf Grund ihrer Lebensweise als „Schmarotzer“ bezeichnet,
unterscheidet man nach ihrem Hauptwirkort. Die sogenannten „Endoparasiten „ (Innenparasiten) und „Ektoparasiten“ (Außenparasiten). Vier der wichtigsten Parasiten beim Rehwild werden hier vorgestellt.

Magen- und Darmwürmer

Magen- und Darmwürmer zählen zu den sogenannten Endoparasiten. Die Infektion erfolgt über die Aufnahme der Larven. Diese klettern in der Dämmerung auf Futterpflanzen und werden über die Äsung aufgenommen. Die Entwicklung zum ausgewachsenen Wurm findet im Wildkörper statt. Bei einem leichten Befall merkt man meistens keine Beeinträchtigungen, welche auch nicht mit bloßem Auge zu erkennen sind. Kommt es jedoch zu einem stärkeren Befall, kann man als Jäger ein erkranktes Stück erkennen. Durch die Würmer im Magen- und Darmtrakt leidet das Tier häufig an starkem Durchfall. Dies ist durch kotverschmierte Spiegel und Hinterläufe erkennbar. Zudem leidet der Haarwechsel. Es kommt zu mangelnder Verfärbung, das Haarkleid ist glanzlos und struppig. Bei Rehböcken kann es zu schlechter Trophäenbildung kommen. Oft sind die Stücke abgemagert, schwach im Wildbret und machen einen schlappen Eindruck. Außerdem weist der sonst vertraute Gang vom Reh Abweichungen auf. Bei sehr stark ausgeprägtem Befall verendet das Tier an Erschöpfung.

Große Lungenwürmer
Lungenwürmer sind Endoparasiten und zählen zu den Rundwürmern, die ebenfalls über die Äsung aufgenommen werden. Dabei befinden sich die Larven auf den Futterpflanzen. Sie sind sehr stark verbreitet und hochinfektiös für das Rehwild. Die großen Lungenwürmer können bis zu 9 cm lang werden. Die aufgenommenen Larven wandern im Wildkörper über die Blut- und Lymphbahn in die Lunge. Der dort entwickelte, reife Wurm bildet Eier, die hochgehustet, abgeschluckt und über die Losung ausgeschieden werden. Im Freien entwickeln sich daraus die ansteckungsfähigen Larven, die dann über die Äsung aufgenommen werden. Je nach Befallstärke kommt es durch Schädigung des Lungengewebes, der Bronchien und der Luftröhre meist zu Atembeschwerden mit Hüsteln. Bei starkem Befall bis zu Lungenentzündungen mit Fieber. Der Verlauf ist jedoch meist gutartig. Am erlegten Stück erkennt man die Erkrankung anhand der Würmer in den Atemwegen. Wenn sonst keine bedenklichen Merkmale erkennbar sind, ist das Stück nach Entfernen der Lunge genusstauglich.

Kleine Lungenwürmer
Sie werden ähnlich wie die großen Lungenwürmer über die Äsung aufgenommen. Allerdings müssen mit Larven befallene Nackt-und Gehäuseschnecken, die sogenannten Zwischenwirte, aufgenommen werden. Im Wildkörper wandern die Larven auch über
Lymph- und Blutbahn in die Lunge. Hier werden die ganz feinen Bronchien befallen, wo die weitere Entwicklung zum Wurm abläuft. Wie beim großen Lungenwurm werden Eier und Larven hochgehustet, abgeschluckt und über die Losung ausgeschieden. Nur bei starkem Befall kommt es zu Allgemeinstörungen mit Atembeschwerden inklusive Hüsteln, Abmagerung, Fellwechselstörung und zu einer Gehörnentwicklungsstörung (z.B. Korkenziehergehörn). Am erlegten Tier fallen bis zu walnußgroße Knoten in der Lunge auf, die beim Aufschärfen ein knirschendes Geräusch machen können. Auch beim kleinen Lungenwurmbefall ist das Wildbret genusstauglich, solange keine bedenklichen Merkmale auftreten.

Rachenbremse

Die Rachenbremse (ähnlich einer Hummel) spritzt im Sommer die ca. 1 mm großen Larven in den Windfang des Rehs, die dann dort schmarotzen. Der Nasen- und Rachenraum dient den Larven der Rachenbremse als Entwicklungsort. Sind die Larven im Wirt, passiert vorerst nicht viel. Im kommenden März beginnen die Larven erst richtig mit ihrem Wachstum und wachsen in dieser Zeit auf bis zu 14 mm. Sobald die Larven zu wachsen beginnen, sind die ersten Symptome eines Befalls zu erkennen. Im Frühjahr gibt es nochmals einen enormen Wachstumsschub auf bis zu 35 mm. Von April bis Juni werden die voll entwickelten Larven durch das Reh ausgeniest. Typische Symptome für den Befall von Rachendasseln sind krampfartige Hustenanfälle, Niesen und das typisches Schleudern mit dem Kopf. Bei massivem Befall kann eitriger bis blutiger Nasenausfluss auftreten und das Reh durch ihre Schadwirkung zu Tode kommen.

Hautdasseln

Die Hautdasseln sind einige der wenigen Parasiten, die nicht über die Äsung aufgenommen werden. Durch die weiblichen Dasselfliegen werden die klebrigen Eier zwischen Mai und Juni auf den Körper des Rehs abgelegt. Dort beginnen die Larven zu schlüpfen und sich in die Decke zu bohren. Von dort wandern sie innerhalb von 6 Monaten in das darunter liegende Unterhautgewebe, um dort zu überwintern. Das dabei entstehende Entzündungssekret dient den Dasseln als Nahrung. Durch die Entzündungen bilden sich beulenartige Schwellungen auf dem Rücken. Diese sind vor dem Erlegen oft gut zu erkennen. Nach dem Erlegen sind beim Reh vernarbte Löcher in der Decke zu bemerken. In einigen Fällen sind bereits abgestorbene und im Entzündungsgewebe eingekapselte Larven zu entdecken.

Hilfreiches

Mithilfe von Wildkameras und Ferngläsern kann das Rehwild gut beobachtet werden. So können eventuell auch schon vor dem Erlegen Symptome zu erkennen sein. Damit man während des Aufbrechens keine inneren Organe mit aufsticht, sollte ein Aufbrechmesser stets mitgeführt werden.

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