Jagd1 » Jagdmagazin » Jagd1 » Das Jagdrevier im Januar – Die Jagd im Winter

Das Jagdrevier im Januar – Die Jagd im Winter

Wer seine Abschusspläne für das Schalenwild nicht bereits im abgelaufenen Kalenderjahr erfüllen konnte, gerät nun in Zeitnot. Schnell muss noch ein weibliches Stück geschossen werden – hoffentlich nicht nur als „Postkarte“. Stets wird der Revierinhaber dabei die Einzeljagd wählen, oder nur ein, zwei erfahrene Gäste einladen. So bleibt die Beunruhigung des Wildes gering.

Wildsau im SchneeWer hingegen seine Abschusspläne erfüllt hat, kann nun mit Muße jagen, – etwa auf Sauen und Raubwild. Beim Schwarzwild geht die Rauschzeit zu Ende, und die Keiler nehmen wieder die Kirrungen an. Jetzt sind die Nächte beim Sauansitz zwar kalt, aber Erfolg versprechend. Zudem ist jetzt die hohe Zeit für den passionierten Fuchsjäger gekommen, denn Mitte des Monats beginnt die Fuchsranz, die Zeit, in der man den Fuchsrüden auch tagsüber sieht. Ja, der Januar bietet dazu interessantes Waidwerk.

Raubwild bejagen

Andere Waidgenossen werden sich der ruhigen Fuchsdrücken erinnern. An milden Tagen liegen die Rotröcke draußen und lassen sich vom Könner sogar vor die Flinte bringen. Aber auch wer alleine jagen möchte, kommt auf seine Kosten. Am sonnigen Tag, beim nachmittäglichen Ansitz oder bei der abendlichen Pirsch sind Füchse viel häufiger im Freien anzutreffen, als mancher Jäger meint. Die Füchse liegen nun gerne an sonnigen Plätzen oder auf Licht durchfluteten Stellen in den Dickungen und stehen auf die verlockende Hasenklage oder den Mauspfiff zu. Der Januar, sicherlich der Hauptjagdmonat auf Raubwild, beschenkt den fleißigen Jäger mit herrlichen Bälgen. Ob Ansitz, Luderplatz, an der Kirrung oder mit der Falle – es gibt viele schöne und spannende Jagdarten auf unser Raubwild.

Reizvolles Waidwerk bietet auch das Ausneuen einer Marderspur. Hierbei geht es meist nicht um planmäßige Bejagung, sondern die winterliche Poesie steht im Vordergrund. Hat es erst in den Morgenstunden, kurz vor dem hell werden, aufgehört zu schneien, ist es ideal. Hörte es bereits in der Nacht auf zu schneien, kann der Marder noch Kilometer zurückgelegt haben. So beginnt der Jäger bereits früh mit dem Abspüren. Baummarder sind übrigens schwerer auszuneuen, da sie gerne Baumhöhlen annehmen und sich daraus selten durch Austrommeln vertreiben lassen. Zudem legen sie auch größere Strecken durch die Wipfel zurück. Hat ein Baummarder in einem Nest oder in einem Greifvogelhorst seinen Unterschlupf gefunden, lässt er sich hier gut Austrommeln.

Hochsitz im WinterEine Neue schenkt dem Jäger Jahr für Jahr viel neue Informationen: Wie verläuft der Fuchspass, welchen Rapsacker bevorzugen die Rehe, ist wieder Damwild im Revier? Plötzlich finden sich auch die Fährten einer kleinen, gemischten Rotte, die in eine Douglasiendickung einwechselte. Weiträumig und leise wird die Dickung umschlagen – die Schwarzkittel stecken! Nun wird telefoniert, die Jagdfreunde erscheinen bald. Nur noch Frischlinge werden freigegeben. Drei bewährte Terrier verschwinden in der Dickung und geben giftig Laut. Schon bald hallen die ersten Schüsse durch den winterlichen Wald.

Sauen intensiv bejagen!

Ein Wort zu Schwarzwild, weil es mir wichtig erscheint: Eine Bejagung des Schwarzwildes mit dem Ziel einer nachhaltigen Nutzung einerseits und der Reduktion von überhöhten Beständen andererseits, ist heute eine der wichtigsten Aufgaben der Jäger. Die Jäger werden daran gemessen, wie sie beispielsweise die Sauen-Population in den Griff kriegen. Hier lässt sich – so volkswirtschaftlich bedeutsam wie sonst nirgends – die „Regulation“ durch die Waidmänner benoten. Auf- oder Einfuhrverbote auf EU-Ebene gehen im Zweifelsfall durch die gesamte Presse.

Fakt ist vielerorts: Hohe Schwarzwildpopulationen und die zunehmende Gefahr von Seuchenzügen stellen eine Gefahr dar. Der ansteigende Wildschaden bedingt im Umkehrschluss hohen Jagddruck. Sauen vermehren sich, sind aber immer schwieriger zu bekommen. Obendrein kommt es teilweise zu unverhältnismäßig hoher Verabreichung von Futtermitteln über unsachgemäße Kirrungen und Ablenkfütterungen, die den Namen nicht verdienen. Die ohnehin hohe artbedingt Vermehrungsrate unterstützt ferner die milde Witterung, häufige Mastjahre, intensive Landwirtschaft und unser Unvermögen, den jährlich sehr hohen Zuwachs abzuschöpfen.

Um die Karre aus dem Dreck zu ziehen, muss mit Kirchturmdenken Schluss sein: die nicht ausreichende Zusammenarbeit zwischen den Revierinhabern untereinander (ich möchte „meine“ Sauen selber schießen) muss beendet werden. Jetzt, in der Winterzeit haben wir die Chance, revierübergreifend zu jagen! Insbesondere revierübergreifende Ansitz- und Bewegungsjagden wären ein probates Mittel. Was spricht, außer Jagdneid, dagegen, den Januar für Bewegungsjagden zu nutzen?

Flankiert werden muss diese Maßnahme durch ganzjährige intensive Bejagung von Frischlingen – auch gestreifte! Zu kleine Frischlinge gibt es nicht, denn nicht der eigene Kochtopf zählt, sondern das Gesamtergebnis (die Strecke), das wir Jäger gemeinsam erreichen.

Hegegemeinschaften zur revierübergreifenden Bewirtschaftung der Schwarzkittel und eine Anleitung und Fortbildung der Jäger in jagdlichen Belangen hinsichtlich der Sauenbejagung sind weitere Maßnahmen. Hier könnte eine Vielzahl geeigneter Seminare helfen, unsere Jagdkameraden weiter zu schulen. Ich sehe hier Jägerschaften in der Pflicht!

Noch einmal: Ein Versagen bei der Schwarzwildbejagung kann zum verheerenden Bumerang für die gesamte Jagdausübung werden. Wir können uns ein Scheitern schon deshalb nicht leisten, weil die Politik aus wirtschaftlichen Gründe gar nicht anders könnte, als an der Schraube der Jagdgesetzgebung zu drehen und möglicherweise dramatische Änderungen vornehmen müsste, um Bevölkerung und Wirtschaft zu schützen bzw. zu unterstützen. Und wer bildet sich ernsthaft ein, gegen die Lobby der landwirtschaftlichen und fleischverarbeitenden Industrie als Jägerschaft erfolgreich antreten zu können.

Umgekehrt haben wir es bis heute nicht verstanden, das selbst produzierte hochwertige Lebensmittel Wildbret auf der Ecke „als-Braten-zu-Weihnachten“ heraus zu bekommen. Auch hier gibt es ein weitaus lohnenderes Betätigungsfeld, als der nächtelange Daueransitz an der so genannten Kirrung.

Anzeige

Jagdgelegenheiten

Galerie

Schwarzwild Jagd Jagdtrophäen Erlegte Wildsau Waldpfad Hochstand Erfolgreiche Fuchsjagd

© 2012 Jagd1 | Anmelden